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Friedhof der verlorenen Wörter

Wo also ist die "Rote Liste" der gefährdeten und sogar schon verlorengegangener Wörter? Unser Wort-Archivar "Etymolog" hat sich die Aufgabe gestellt, jenen Wörtern ein letztes Zuhause zu geben, eine Art "Gnaden-Hof" , wo sie ihr ruhiges Dasein fristen können. So lange also sie hier in ihren Schutzräumen , sprich "Weck-Gläsern" , existieren, so lange können alle , vorzugsweise  Schriftsteller, Bibliothekare, Wortakrobaten , Reden-Schreiber Zugang  hierzu haben und ohne Probleme  eines Copyrights sie nach Gusto verwenden.

Jede(r) BesucherIn ist aufgerufen , ein gefährdetes Wort hier einzustellen. Etymolog wird es prüfen, seine Herkunft

zuordnen und ins Weckglas sortieren, wo es jederzeit wieder "erweckt" werden kann.

Danke

Danke steht vor dem Friedhofseingang. Etymolog fragt, was es wolle. Niemand braucht mich hier draußen. Ich glaube, ich bin jetzt ausgemustert. Etymolog runzelt die Stirn. Er schaut in sein Smartphone. De wird blass. Komm rein, sagt er. Ich habe ein extra Weckglas für dich.

Etymolog steht vor Danke's Weckglas und befragt es:  Kannst du mir erzählen, was die Menschen draußen bewegt, nicht mehr "Danke" sagen zu wollen,also nicht mehr zu danken? Danke seufzt. Ich brauche dir wohl nichts von meiner Herkunft zu erzählen. Laut meiner Entstehungsgeschichte stamme ich vom Verb "Denken" ab. Ich bin in Gedanken an dich... oder ich "verdenke" es dir nicht. Danke kommt also von "Denken" . Ich erkläre mir das so: Wie  ständig anrollende  Fluten Inseln oder auch das Festland verkleinern, so stürzen Wörter aus den Gedankengebäuden in auslöschende Fluten. Dem wollte ich zuvor kommen und bleibe lieber im sicheren Weckglas unter deiner Obhut. Bis ein junger Schriftsteller auf der Suche nach verlorenen Wörtern hier auftaucht und mich mitnimmt, so dass ich wenigstens literarisch übrleben werde.Es klappert am Eisentor. Etymolog geht raus und sieht einen Jutesack herum hüpfen. "Dreh dich nicht um, der Plumpsack geht um", wimmert es dumpf darinnen. Na, sagt etymolog , du kommst noch aus dem 30jaehrigen Krieg? " ist es so? Dann ist es wie es ist " Na dann komm der mal rein, sagt etymolog und oeffnet das Tor, das sich tonlos in den Angeln dreht. Der Plumpsack scheint zu schweben und darinnen ist es als würden Knochen klappern. Etymolog lächelt ernst: "noch nicht einmal in den Kitas wirst du mehr reingelassen? Wenn je ein Sack genickt haben könnte, dann jetzt auf diesem gottverlassenen Friedhof. Es ist wegen dem Gebein, flüstert es im Sack. Du meinst, " Gebeine " benutzt man im modernen Sprachgebrauch nicht mehr? "Man hat bestimmt schon seit Jahren in keiner Zeitung gelesen" wispert es traurig (?). Na , komm mit, du kriegst einen schönen Platz, gleich neben Danke, es wird sich freuen. Ach weisst du übrigens, dass die "Beine", mit denen wir heute das menschliche Laufgestell bezeichnen, ausgerechnet vom Inhalt deines Plumpsack kommt? Na siehst du, jetzt schreiben die Sportjournalisten Wörter, von denen sie nicht wissen woher sie kommen und schicken den Hauptbestandteil auf den Friedhof. Irgendwie klingt das Kichern ziemlich knöchern dort oben im Regal.

18.1.16 19:28, kommentieren

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Kürbis-Monologe

Stück in 3 Akten 2 Prologen und 1 Epilog

Prolog 1:  Regieanweisung: Verschlossener Vorhang, während linksseitig sich langsam der Vorhang öffnet und eine rotbehandschuhte Hand sichtbar wird, geht rechtsseitig wie an einer Schnur gezogen ein kürbisförmiger orangeroter von innen angeleuchteter Kürbis hoch aus dessen rundgeöffnetem Mund scheinbar Laute kommen (wollen) erst hauchend dann immer artikulierter...

Währenddessen ist die  Gestalt ganz sichtbar geworden: ein Mann in kuriosgroß kariertem Jackett , aus dessem oberen Seitentasche ein überdimensionierter Pfeifenkopf ragt, die weitausgeschlagenen mit hellbraunen Seitenstreifen versehenen Hosen haben einen Aufschlag, der an die 2oer Jahre erinnern könnte. Zusätzlich trägt der Herr eine Golfkappe mit großem Schirm und heruntergezogenen Ohrklappen. Rotgeschminkte Botox-Lippen und fast weißgekalktem Gesicht spricht er mit hoher Fistelstimme das Publikum an:

"Verehrte Anwesende, hierorts präsentieren wir, das sind 13 Personen, ein Treffen anläßlich eines betrüblichen Todesfalles.

Es handelt sich um meinen langjährigen Freund , schon seit unseren gemeinsamen Internatsjahren, um dessen Urne wir uns nunmehr versammelt haben, um ihn zu würdigen, je mehr noch, um herauszufinden, um was es sich für ein Mensch handelte.

Er war Bibliothekar, Buchhändler, Antiquar, in späten Alter, Reisender in Sachen Kunst und Literatur. gemäß seines Namens:

Jeremy Peregrin, alias Mogli auch Marcel Mogli (seines Künstlernamens)

Aber sehen Sie selbst.

 Regieanweisung: Inzwischen ist der Kürbislampion ganz oben angelangt, daraus ein bewundernder Seufzer: "Woww! Nicht schlecht mein lieber Odo, man darf gespannt sein."

Odo dreht sich noch beim Abgehen um und droht dem sprechenden Lampion, du hältst dich bitte jetzt raus!

Dunkel. Und Sekunden später hebt sich der Vorhang und sichtbar wird ein großzügig ausgestatteter Salon mit Ledersofas und Ledersesseln , auf einem weitausladendem Sideboard eine schwarzglänzende Urne, umrahmt von 2 Vasen, in denen jeweils zwei weiße Tulpen ihre halbgeöffneten Blütenkronen zuneigen. Ein überdimensionaler Fernsehschirm ist wohl nicht zufällig im geografischem Mittelpunkt plaziert.

Dieser erhellt sich zunehmend und gibt den Blick frei auf einen Kanal - es ist unschwer an einem eingeblendeten Schild zu erkennen, dass es sich um den Mittellandkanal handelt. Langsam gleiten Bilder der Dia-Show an den Augen der Betrachter vorbei. Bad-Bevensen, ein frisch aus dem Wasser gezogenes Touren-Rad. Leichtes Sattelgepäck, eine mit goldengefärbtem Alufolie überzogene Gestalt fast im rechten Winkel zum schmutzig gefärbtem Wsserrand. Polzisten.

Die lose in den Sitzgelegneheiten gruppierten Personen werden immer unruhiger. Eine kleine schmale Frauengestalt hat sich inzwischen in langsamen Bewegungen an die Kante des Sideboards genähert und steht nun still und aufmerksam das Gesicht dem Publikum zugewandt. Prompt kommt nun auch der genannte Odo nahe an sie heran.  Er hält einen kleinen Silbernen Telecommander in der linken Hand und richtet ihn zum Bildschirm der augenblicklich schwarz wird. Der Vorhang geht zu und Sekunden später wieder auf.

1 Akt 1. Szene:
Ein grossgewachsener Mann hat sich neben Odo gestellt.
Guten Tag meine Damen,meine Herren. Ich darf mich kurz vorstellen.
Mein Name ist Roland Kaiser. Ich bin leitender Oberstaatsanwalt am Landgericht Hannover. Odo und ich kennen uns seit mehr als 20 jahren
,seit er sein erstes Drehbuch zum Hannover-Tatort schrieb und mich mit Fragen zum Fach loecherte.
Kurz, ich bin hier, weil er mich eingeladen hat, nicht zuletzt, weil ich die Untersuchungen leitete, ob hier ein Fremdverschulden vorliegt. Aber (er zeigt mit expressiven Gestus aufgrund die Urne) wie Ihr seht, es war - so bedauerlich es ist, ein Unfall.

2. Akt, 3. Szene:

(Auf dem etwas über dimensionierten Bildschirm erscheint das stark geschminkte Gesicht einer ca 60 jährigen Frau. Ihre Stimme klingt etwas schrill, Dissonant.)
"Ich danke zunächst Herrn van Oogs Einladung, zu dieser Veranstaltung sprechen zu dürfen, möchte aber einschränkend darauf hinweisen, dass ich mich nicht in Lage sehe, viel positives zu dem Verstorbenen beizutragen. Immerhin war ich fast 18 Jahre mit ihm liiert.

16.1.16 17:54, kommentieren